„Wir haben nicht nachbesetzt.“
Wenn du Arbeitgeber bist, stell dir eine unangenehme Frage.
Würdest du heute jede frei werdende Stelle wieder 1:1 besetzen?
Oder würdest du zuerst prüfen:
Welche Aufgaben können automatisiert werden?
Welche kann KI vorbereiten?
Welche müssen tatsächlich weiterhin von einem Menschen erledigt werden?
Wenn diese Diskussion in deinem Unternehmen bereits stattfindet, bist du nicht allein.
KI kündigt keine Menschen.
Sie verhindert ihre Nachfolger.
Das ist keine Zukunftsprognose.
Das passiert jetzt.
Diese Zahlen stammen nicht aus einer Studie über das Jahr 2035.
Sie basieren auf Stellen, für die Unternehmen heute Menschen suchen.
„Wir haben nicht nachbesetzt.“
Klingt harmlos.
Klingt nach Fluktuation.
Klingt nach Kostenoptimierung.
Klingt nicht nach Arbeitsplatzverlust.
Aber genau das kann es sein.
Ein Mensch verlässt seinen Arbeitsplatz.
Niemand wird entlassen.
Es gibt keine Schlagzeile.
Keine Kündigungswelle.
Keine Proteste.
Die Position verschwindet einfach.
Die Aufgaben sind trotzdem noch da.
Nur werden sie anders erledigt. Zum Beispiel:
„Wir brauchen keinen neuen Mitarbeiter.
Wir haben jetzt Claude.“
Natürlich ersetzt ein Claude-, ChatGPT- oder anderer KI-Zugang nicht automatisch einen vollständigen Mitarbeiter. Aber wenn KI genügend Aufgaben einer Position übernimmt, kann genau daraus eine wirtschaftliche Entscheidung entstehen: Die Stelle wird nicht nachbesetzt.
„KI wird uns einfach produktiver machen.“
Vielleicht.
Aber Produktivität hat eine zweite Seite.
Wenn zehn Mitarbeiter bisher eine bestimmte Menge Arbeit erledigen, und dieselbe Arbeit mit KI von sechs Mitarbeitern erledigt werden kann, dann gibt es zwei Möglichkeiten:
Das Unternehmen produziert mit zehn Menschen wesentlich mehr.
Das Unternehmen produziert dasselbe mit sechs Menschen.
Warum reden wir fast immer über Möglichkeit A?
Vielleicht verschwinden nicht zuerst die Berufe.
Vielleicht verschwinden zuerst die Stellen.
Ein Unternehmen braucht möglicherweise weiterhin:
Marketing.
Buchhaltung.
Recherche.
Übersetzungen.
Kundenkommunikation.
Administration.
Aber vielleicht braucht es dafür nicht mehr:
10 Menschen.
Sondern 7.
Dann 5.
Dann 3.
Automatisierung muss einen Beruf nicht auslöschen.
Es reicht, wenn sie den Personalbedarf halbiert.
Umbauen statt abbauen
Für Arbeitgeber ist dieselbe Liste ein Frühindikator. Sie zeigt, welche Rollen im eigenen Haus sich gerade verschieben — und zwar an Stellen, die Mitbewerber heute genau so ausschreiben.
Wer früh umbaut, kann Menschen mitnehmen: Aufgaben neu zuschneiden, Verantwortung verlagern, Qualifikation aufbauen, bevor Druck entsteht. Wer wartet, hat später nur noch den Abbau als Werkzeug.
Beides steht in derselben Liste. Der Unterschied ist ausschließlich der Zeitpunkt, zu dem man hinsieht.
Bewerbung über das Ursprungsportal
agenticjobs ist eine Auswertung, kein Bewerbungskanal. Das Portal nimmt keine Bewerbungen entgegen und speichert keine Bewerbungsunterlagen.
Jede gelistete Stelle führt zurück auf das Portal, auf dem sie ausgeschrieben ist. Dort läuft die Bewerbung wie gewohnt.
Für den Arbeitgeber ändert sich dadurch nichts: Er erhält Bewerbungen auf demselben Weg wie bisher. Läuft eine Ausschreibung dort aus, verschwindet sie auch hier — die Liste bildet den aktuellen Stand ab, kein Archiv.
Das hier ist ein Kunstprojekt. Die Stellen darin sind echt.
agenticjobs ist keine Jobbörse. Es ist ein Kunstprojekt von Eduard Ducho, gebaut, um wachzurütteln. Jede Anzeige, die hier gelistet ist, ist heute ausgeschrieben, von einer echten Firma, mit dem Aufgabenprofil, das sie selbst formuliert hat. Genau das ist das Unangenehme daran.
Was echt ist, und was Inszenierung
Die Stellen, die Bewertungen, die Zahlen
- Die Stellen. Jede gelistete Anzeige ist zum Zeitpunkt der Anzeige tatsächlich ausgeschrieben, mit dem Aufgabenprofil, das der Arbeitgeber selbst formuliert hat. Nichts nachgebaut, nichts erfunden.
- Die Bewertung. Ein Sprachmodell prüft jede Stelle: wie viel der beschriebenen Kerntätigkeiten heute schon ein KI-Agent erledigen könnte. Score von 0 bis 100, ein Satz Begründung daneben. Das Urteil einer Maschine über die Arbeit von Menschen, nachlesbar und bestreitbar.
- Die Kennzahlen. Analysierte Stellen, gelistete Stellen, die Summe der ausgeschriebenen Jahresgehälter: alles aus dem laufenden Bestand gerechnet, nachvollziehbar unter /api/stats.
Die Form, in der das hier auftritt
- Die Rolle des Portals. Eine Jobbörse, die Stellen für KI-Agenten auflistet, mit Live-Zähler und einer Schnittstelle, über die sich Maschinen die Liste selbst holen. Es tut so, als wäre dieser Zustand schon normal.
- Er ist es noch nicht. Aber der Abstand ist kleiner, als es sich anfühlt, und er ist hier nachmessbar — mit dem eigenen Beruf in der Suchzeile.
- Eine Zahl ist gerechnet, nicht gemessen: die Kurve der letzten zwölf Monate unter der AI-Quote. Bewertet wird erst seit August 2026, davor gibt es keine Messwerte. Das steht auch unter dem Diagramm selbst.
Ich habe ein Buch über diese Entwicklung geschrieben. Dann wollte ich wissen, ob ich übertreibe.
Über KI zu schreiben ist einfach. Prognosen über die Zukunft gibt es genug. Mich hat eine andere Frage interessiert: Kann man das, worüber wir reden, bereits heute auf dem realen Arbeitsmarkt sehen?
Deshalb entstand agenticjobs. Wir wollten nicht nur darüber diskutieren, was KI irgendwann mit unserer Arbeit machen könnte. Wir wollten reale Stellen nehmen. Ihre Aufgaben analysieren. Und die Ergebnisse öffentlich machen.
Das Buch stellt die Frage. agenticjobs sammelt die Beweise.
Interview mit einer KI — Eduard Ducho
Taschenbuch · 183 Seiten · erschienen 9. Juli 2025 · ISBN 978-3-200-10249-1 · 25,19 €
Vielleicht wirst du nie wegen KI gekündigt.
Vielleicht wird einfach dein Nachfolger nie eingestellt.
„Wir haben nicht nachbesetzt.“